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Title:
Episteln der Corinther - Witzel / Spangenberg - Eisleben - 1561 / 63 aus bedeutender Provenienz
Object:
Episteln - Erste Ausgabe - aus Besitz von Witzel
Author:
Cyriacus Spangenberg
Place:
Eisleben und Strassburg
Year:
1561 / 1563
Title:
Die erste Epistel Sanct Pauli an die Corinthier / Die andere Epistel Pauli an die Corinthier
Press:
Urban Gaubisch / Samuel Emmel
Langtext:

Erste Ausgabe der von Spangenberg verfassten Auslegungen der Episteln an die Corinthier. 2 Teile in einem Band. Bei dieser Ausgabe steht nicht das Werk im Vordergrund sondern die bedeutende Provenienz. Einstiger Besitzer dieses Werkes war der Reformtheologe Georg Witzel, der „als eifriger katholischer Ireniker im Zeitalter der Reformation den Standpunkt der Vermittlung zwischen der mittelalterlichen Frömmigkeit und den berechtigten Ansprüchen der lutherischen Reformation repräsentierte.
Zwischen Luther und Erasmus schwankend, bei den Reformatoren als verschlagener Katholik verhaßt, bei den Katholiken als ein unsicherer Genosse beurtheilt, hat er sein Leben in rastlosem Eifer ohne bleibenden Erfolg verzehrt“. (vgl. Bibliographie ADB 43, 657).

Die vollständigen Titel lauten:
„Die erste Epistel Sanct Pauli an die Corinthier Ausgelegt durch M. Cyriacum Spangenbergk.“
„Die andere Epistel Pauli an die Corinthier. Ausgelegt durch M. Ciriacum Spangenberg“

Spangenberg war evangelischer Theologe, Kirchenlieddichter und Historiker.

AUSSTATTUNG
Zweispaltiger Druck, arabische und römische Paginierung, Blatt: 31,0 x 18,0 cm, Schriftspiegel: 25,5 x 16,5 cm. Mit zwei Titeln in rot/schwarzem Druck, einer kleinen Holzschnitt-Karte auf dem ersten Titel sowie einigen größeren Holzschnitt-Initialen im Werk.

KOLLATION
Teil 1: 10 nicht num. Blatt, incl. Titel und Vorrede, 310 num. Blatt, 7 nicht num. Blatt Register/Korrekturblatt, 1  weißes Blatt. Teil 2: 8 nicht num. Blatt, incl. Titel, Vorrede und Sprüche der Heiligen Schrift, CCXX num. Blatt, 16 nicht num. Blatt Register, Vorsatzblatt hinten. Vollständig.
EINBAND
Originaler blindgeprägter Schweinsleder-Einband mit umlaufenden blindgeprägten Ornamenten in Rollenbordürenoptik über massiven Holzdeckeln. Handschriftlicher Rückentitel. Vorderdeckel mit den Initialen G W V für Georg Witzel Vacha sowie der Jahreszahl „1564“. Der schöne blindgeprägte Schweinsleder-Einband wurde eigens für Witzel angefertigt und enthält dessen Initialen auf dem Vorderdeckel. Auf dem hinteren Spiegel findet sich ein handschriftlicher Besitzvermerk, der wohl ebenso von Witzels Hand stammt und den Erwerb des Werkes für 2 Gulden im April 1564 in Wenigenlupnitz dokumentiert. Weiterhin sind zahlreiche saubere Unterstreichungen, Randglossen und Konkordanzen enthalten, die vermutlich ebenso Witzel vorgenommen hat.
Oberes Kapital mit Einriss jedoch ohne Verlust an Material. Vorderdeckel mit gelöstem Bezug in der unteren Hälfte. Zwei kleine Wurmspuren im Bezug des Vorderdeckels. Deckel sonst nur wenig berieben. 2 Messingschließen-Fragmente, ohne die Schließbügel. Buchblock fest und stabil. Maße: 33,5 x 22,5 x 8,0 cm.

ZUSTAND
In guter Erhaltung. Seiten gleichmäßig gebräunt, stellenweise zumeist im Außenrand etwas braunfleckig, ca. 5 Blatt im Teil 2 stärker braunfleckig. Titel mit Ausschnitt in der unteren Ecke. Anfangs in der oberen Ecke schwach wasserrandig. Ein Blatt im unteren Rand mit dünnem Japanpapier hinterlegt. Kräftiger Druck und festes Büttenpapier.

NACHWEIS
VD16 S 7546 und S 7549.

PROVENIENZ
Aus dem Besitz des Reformtheologen Georg Witzel (1501 in Vacha – 1573 in Mainz).
Witzel war Theologe und Gegner Luthers. Er sudierte ab 1516 in Erfurt, wo er vom Humanismus geprägt wurde, 1518 erwarb er den Baccalaureus. 1520 ging Witzel für 28 Wochen nach Wittenberg, wo er Martin Luther, Andreas Bodenstein, gen. Karlstadt und Philipp Melanchthon hörte und dort pro Magisterio ein zeit lang complirt hatte, den Grad aber letztendlich nicht erwarb. Auf Verlangen des Vaters musste er das Studium abbrechen und 1521 Priester werden. Noch im gleichen Jahr trat er in Vacha eine Stelle als Vikar an.
Ab 1522/1523 predigte er in seiner Heimatstadt Vacha zusammen mit Balthasar Raid im Sinne Luthers, heiratete 1524 Elisabeth Kraus aus Eisenach und verlor seine geistliche Stelle. Witzel ging nach Eisenach, wo er sich Jacob Strauß anschloss und eine Pfarrstelle im benachbarten Wenigenlupnitz antrat.
Seine Stellung im Bauernkrieg war lange umstritten. Als Mitstreiter von Strauß wirkte er im April 1525 im Eisenacher Raum an der ersten bekannten evangelischen Visitation mit, wobei er auch seine Heimat, das Amt Vacha, mit einbezog und neue Geistliche einführte. Der Wunsch der Einwohner der benachbarten Herrschaft Völkershausen nach einem lutherischen Prediger blieb unerfüllt, worauf diese sich gegen ihren Grundherrn auflehnten. Damit begann der Aufstand der Bauern im Werratal, ein Fanal für ganz Thüringen. Die Verdächtigungen gegen Witzel als Aufrührer waren aber unbegründet, er schrieb Thomas Müntzer sogar einen mahnenden Brief, trotzdem mußte er seine Pfarrstelle in Wenigenlupnitz aufgeben. Auf Empfehlung von Martin Luther wurde er darauf Pfarrer in Niemegk.
Witzels Anliegen war die sittliche Besserung des Menschen, darin folgte er Erasmus von Rotterdam. Von Luthers Lehre wandte er sich ab, da er mit Johannes Campanus Umgang hatte und deshalb ging das kurfürstliche Gericht gegen ihn vor.
1531 verließ Witzel sein Pfarramt, ohne zunächst ein neues zu finden. In diesem Jahr war er rege schriftstellerisch tätig.
In Eisleben stand er nun wieder als katholischer Pfarrer im ständigen Kampf mit den lutherischen Theologen, bis er nach Dresden berufen wurde.
Seine Schrift Typus ecclesiae prioris (1540) übte starken Einfluss aus. Seit 1539 führte er ein Wanderleben. Nach 1548 verteidigte er das Interim. 1553 ging er mit seiner Familie nach Mainz, wo er noch zwanzig Jahre lebte.
Auf Anregung Kaiser Maximilians II. schrieb er 1564 die Via regia, in der er für den Vergleich der Konfessionen eintrat. Als Abgeordneter der Stadt Mainz nahm er auch am Wormser Religionsgespräch von 1557 teil. (Quelle: auszugsweise wikipedia).

Object number:
M807
Price:
2900 EUR
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